Rissüberwachung: eine sicherheitstechnische Notwendigkeit für Tribünenanlagen
Auch in Deutschland mussten in den vergangenen Jahren Sportstätten aus sicherheitstechnischen Gründen teilweise oder vorübergehend gesperrt werden. So wurden beispielsweise im Jahr 2017 Teile des Berliner Olympiastadions vorsorglich geschlossen, um Betonschäden und mögliche strukturelle Beeinträchtigungen eingehend zu untersuchen. Risse in Tribünen oder Zuschauerbereichen stellen dabei häufig ein zentrales Warnsignal dar.
Ein vollständiger Einsturz einer Tribüne bleibt zwar ein äußerst seltenes Ereignis, kann jedoch – insbesondere bei älteren oder stark beanspruchten Bauwerken – nicht grundsätzlich ausgeschlossen werden. Vor diesem Hintergrund ist die regelmäßige Überwachung von Rissen ein wesentlicher Bestandteil der vorbeugenden Instandhaltung und einer verantwortungsvollen Bauwerksbewirtschaftung.
Ursachenanalyse von Rissbildungen in Tribünen
Die Rissbildung in Stadiontribünen kann unterschiedliche Ursachen haben. Unabhängig davon, ob die Konstruktion aus Beton, Holz oder Stahl besteht, ist sie vielfältigen Beanspruchungen ausgesetzt, die zur Entstehung von Rissen führen können:
- Dynamische Belastungen durch wiederholte Bewegungen und Sprünge des Publikums bei Veranstaltungen;
- Temperaturschwankungen mit unterschiedlichen Ausdehnungskoeffizienten der Baustoffe;
- Wassereintritte sowie Frost-Tau-Wechsel in exponierten Bereichen;
- Setzungen oder Bodenverformungen im Fundamentbereich;
- Alterung und Korrosion tragender Bauteile im Laufe der Zeit.
Risse treten typischerweise in Setzstufen, Podesten, Dehnfugen oder an Betonierfugen auf.
Nicht selten weisen solche Risse auf tieferliegende strukturelle Schäden hin (z. B. reduzierte Tragfähigkeit eines Bauteils, übermäßige Schubbeanspruchung oder Versatzbildungen zwischen Bauelementen).
Ohne geeignete Überwachung können sich derartige Schäden verschärfen und im Extremfall die Standsicherheit der Konstruktion beeinträchtigen. Eine systematische Rissüberwachung ermöglicht es, die Stabilität des Bauwerks zu beurteilen und notwendige Instandsetzungs- oder Verstärkungsmaßnahmen rechtzeitig zu planen.
Strukturelle Überwachung: eine Frage der Verantwortung
Nach den in Deutschland geltenden Vorschriften für Versammlungsstätten – insbesondere gemäß der Muster-Versammlungsstättenverordnung (MVStättVO) sowie den einschlägigen DIN- und EN-Normen für Zuschaueranlagen – tragen Betreiber die volle Verantwortung für die Sicherheit der Besucher.
Dies umfasst die kontinuierliche Kenntnis des baulichen Zustands der Tribünen sowie die Dokumentation sämtlicher festgestellter Schäden, selbst wenn diese zunächst geringfügig erscheinen.
Fehlt eine nachvollziehbare Überwachung und Dokumentation, kann der Betreiber im Schadensfall haftungsrechtlich erheblichen Risiken ausgesetzt sein. Eine regelmäßige Rissüberwachung stellt daher eine zentrale präventive Maßnahme dar, die sowohl den anerkannten Regeln der Technik als auch den gesetzlichen Anforderungen entspricht.
Empfehlungen für Betreiber von Sportanlagen
Zur Gewährleistung der gesetzlichen Konformität und der Besuchersicherheit empfiehlt sich ein strukturiertes Überwachungskonzept für Tribünenanlagen. Die wesentlichen Schritte sind nachfolgend dargestellt.
Durchführung einer Erstdiagnose
Vor Einrichtung eines Monitoringsystems ist eine umfassende technische Bestandsaufnahme erforderlich. Diese wird in der Regel durch ein spezialisiertes Ingenieurbüro durchgeführt und dient der Bewertung des baulichen Zustands, der Erfassung sichtbarer Schäden (Risse, Abplatzungen, Korrosion, Verformungen) sowie der Analyse möglicher Ursachen.
Bereits bei der visuellen Inspektion liefern folgende Kriterien erste diagnostische Hinweise:
- Form und Verlauf der Risse (vertikal, horizontal, diagonal);
- Lage der Schäden innerhalb der Konstruktion;
- Risscharakteristik (offen, treppenförmig, verzweigt, fein oder aktiv);
- Zeitlicher Verlauf, sofern dokumentiert oder bekannt.
Anschließend werden häufig zerstörungsfreie Prüfverfahren eingesetzt:
- Messung von Rissbreite und -tiefe;
- Ortung oberflächennaher Bewehrung mittels Ferroscan;
- Erfassung tieferliegender Bewehrung mittels Bauwerksradar;
- Ultraschall- oder Impulsverfahren zur Beurteilung der Rissausdehnung im Beton.
Diese Erstdiagnose bildet die technische Grundlage für jede weiterführende Überwachungsstrategie.
Instrumentierung identifizierter Risse mit geeigneten Messgeräten
Bei Rissen mit unklarer Entwicklung oder in sicherheitsrelevanten Bereichen empfiehlt sich eine instrumentierte Überwachung.
Der Einsatz geeigneter Rissmessgeräte ermöglicht eine präzise Erfassung von Rissöffnungen, Schubbewegungen oder Relativverschiebungen über die Zeit. So kann zwischen stabilisierten und fortschreitenden Schäden unterschieden werden.
Eine strukturierte Datenerfassung unterstützt die frühzeitige Risikoerkennung und verhindert, dass lokale Schäden die Gesamtsicherheit des Bauwerks gefährden.
Kontinuierliche Überwachung kritischer Bereiche
Besonders beanspruchte Zonen – etwa Modulübergänge, Kragbereiche oder witterungsexponierte Bauteile – sollten bevorzugt überwacht werden.
Hier empfiehlt sich der Einsatz von vernetzten Sensoren, die Messdaten in regelmäßigen Intervallen übertragen und bei Abweichungen automatische Warnmeldungen auslösen können.
Zentrale Datenerfassung über eine gesicherte Plattform
Zur Sicherstellung der Datenkonsistenz und Nachvollziehbarkeit sollten sämtliche Messwerte in einer digitalen Plattform gebündelt werden.
Eine solche Lösung ermöglicht:
- Trendanalysen,
- Definition von Alarmgrenzwerten,
- automatisierte Berichterstellung,
- revisionssichere Archivierung.
Damit wird die langfristige Dokumentationspflicht erfüllt und eine fundierte Entscheidungsgrundlage geschaffen.
Regelmäßige Überprüfung des Überwachungskonzepts
Da sich Nutzung und Bauwerkszustand im Laufe der Zeit verändern, ist eine periodische Anpassung des Überwachungskonzepts erforderlich.
Diese kontinuierliche Optimierung ermöglicht eine proaktive Instandhaltungsstrategie und verhindert, dass sich scheinbar unkritische Risse zu sicherheitsrelevanten Schäden entwickeln.
Saugnac-Lösungen zur Rissüberwachung
Zur Sicherstellung der strukturellen Sicherheit von Sportinfrastrukturen bietet Saugnac Jauges ein umfassendes Sortiment an Messinstrumenten für die Rissüberwachung an. Diese Lösungen sind auf eine präventive Instandhaltungsstrategie ausgerichtet und unterstützen Betreiber bei der Einhaltung regulatorischer Anforderungen.
Erstdiagnose
Das Erweiterter Rissbreitenmesser von Saugnac ist ein tragbares Instrument zur sofortigen Bestimmung der Rissbreite mit einer Genauigkeit von 0,1 mm.
Es ermöglicht eine schnelle und zuverlässige Klassifizierung der Risse und dient als Entscheidungsgrundlage für die Auswahl geeigneter Überwachungsmaßnahmen.
Installation geeigneter Rissmonitore
Die G1-Rissmonitore bieten je nach Einsatzbereich unterschiedliche Lösungen:
- G1 Standard: witterungsbeständig für Außenbereiche;
- G1.1: hochpräzise Messung bis 0,1 mm in geschützten Bereichen;
- G1.2 transparent: unauffällige Integration in sichtbaren Bereichen.
Für besonders präzise Messungen ermöglicht die G1+ eine digitale Ablesung bis 0,05 mm.
Die G3-Messvorrichtung erfasst vertikale und horizontale Versätze an Setzstufen und Podesten.
Überwachung mit abnehmbarem Messgerät
Das abnehmbare Rissmessgerät E1 basiert auf einem patentierten Plattensystem zur reproduzierbaren Messung von Rissöffnung, Schubbewegung und – mit Zusatzmodul – Versatz.
Die PA12-Montageplatten sind für den Außeneinsatz geeignet und widerstandsfähig gegenüber UV-Strahlung, Feuchtigkeit und Temperaturschwankungen.
Kontinuierliche vernetzte Überwachung
Der vernetzte Rissmonitor R1 überträgt Messdaten automatisch an eine digitale Plattform und verfügt über eine mehrjährige Batterielaufzeit.
Der vernetzte Neigungssensor R5 misst Neigungsänderungen auf zwei Achsen und erkennt progressive strukturelle Verschiebungen.
Alle Geräte sind mit der Saugnac.app kompatibel, die eine zentrale Datenerfassung, Fernüberwachung, Berichtserstellung und revisionssichere Archivierung ermöglicht.