Risse in Wänden: Ursachen, Erkennung und Messung
Einige Erklärungen zu Rissen in Bauwerken
Risse sind die häufigste Form von Schäden an Gebäuden: Außenwände, Innenwände, Fassaden, Trennwände, Fußböden, Verkleidungen, Fliesen, Bodenbeläge und mehr.
Nach dem WTA-Merkblatt 2-4, dem anerkannten deutschen Regelwerk zur Beurteilung und Instandsetzung von Rissen, werden Haarrisse (Mikrorisse) als Risse mit einer Breite von bis zu 0,2 mm definiert.
Risse mit einer Breite zwischen 0,2 mm und 2 mm sind typische Risse, die einer näheren Beobachtung und gegebenenfalls Instandsetzung bedürfen.
Risse mit einer Breite über 2 mm gelten als Mauerrisse und erfordern in der Regel die Beurteilung durch einen Bausachverständigen.
Ursachen für Risse in Wänden
Risse in Bauwerken können verschiedene Ursachen haben, und oft ist es notwendig, die Ursache des Problems zu ermitteln, um geeignete Reparaturmaßnahmen einleiten zu können. Ohne Anspruch auf Vollständigkeit sind hier einige der häufigsten Ursachen für Risse in Bauwerken aufgeführt.
Schrumpfen und Quellen von Lehmböden (Quellton)
Durch den Klimawandel werden diese Zyklen intensiver: auf starke Trockenheit folgen heftige Regenfälle, was die Häufigkeit und Schwere von Setzungsschäden deutlich erhöht. Immer mehr Gebäude sind von den Folgen des Quell- und Schwindverhaltens von Tonböden betroffen.
Vegetation in der Nähe und Turbosuktion
Hinzu kommt das Phänomen der Turbosuktion: Wenn ein Baum die Wasserreserven des Bodens schnell erschöpft, wirkt die rund um seine Wurzeln entstehende Trockenzone wie eine „vertikale Pumpe“, die Wasser aus tieferen Bodenhorizonten anzieht. Dieser Mechanismus führt zu einer schnelleren und tieferen Austrocknung des Bodens als ein normaler Regenmangel.
Dieser Effekt kann:
- das Quell- und Schwindverhalten in Tonböden deutlich verschlimmern, indem Amplitude und Tiefe der Bewegungen zunehmen;
- Risse auch in wenig tonhaltigen Böden verursachen, weil die Turbosuktion das Wassergleichgewicht rund um die Fundamente abrupt verändert.
Generell kann jedes Ungleichgewicht bei der Wasserbewirtschaftung rund um das Gebäude (Turbosuktion, mangelhafte Entwässerung, konzentrierter Abfluss, fehlende Drainage, ungeeignetes Gefälle) differentielle Belastungen im Fundamentbereich auslösen. Solche Probleme erfordern häufig vertikale Lösungsansätze: Drainageschächte, Wurzelsperren, gezielte Unterfangung der Fundamente, Verbesserung der Entwässerung usw.
Bodensenkung und -absenkung
Dieses Phänomen wird häufig durch menschliche Aktivitäten wie Bergbau oder Bauarbeiten (Fundamentarbeiten, Bohrungen usw.) ausgelöst. Die durch diese Aktivitäten verursachten Veränderungen der Bodenstruktur können zu Bodensenkungen führen, die Risse in nahe gelegenen Gebäuden verursachen.
Probleme mit dem Fundament
Ob mangelhafte Planung, minderwertige Baustoffe oder ungeeignete Baumethoden — Probleme mit dem Fundament können zu Rissen in den Wänden führen. Fehlerhafte Fundamente können zu Absenkungen, Rissen oder Verformungen führen und so die Gebäudestruktur gefährden.
Erschütterungen und Bodenbewegungen
Seismische Vibrationen, die oft mit tektonischen Aktivitäten zusammenhängen, üben Druck auf die Fundamente aus und erhöhen das Rissrisiko.
Auch Bauarbeiten und Straßenverkehr erzeugen Bodenbewegungen, die mit der Zeit zu einer Schwächung der Strukturen führen können.
Temperaturschwankungen
Temperaturschwankungen, insbesondere Frost-Tau-Zyklen, sind häufige Ursachen für Risse in Gebäuden. Diese thermischen Wechselbelastungen belasten die Baustoffe und das Fundament und führen zu wiederholten Ausdehnungen und Kontraktionen.
Frost kann besonders schädlich sein, wenn Wasser in Steine, Ziegel oder Fugen eingedrungen ist und beim Gefrieren Druck auf die Struktur ausübt. Bodenfrost kann zudem Hebungsbewegungen verursachen, besonders wenn Tonböden vorhanden sind, und das Gebäude destabilisieren.
Konstruktionsfehler
Risse in Bauwerken können durch Baumängel verursacht werden, die durch Fehler bei der Planung oder Ausführung entstanden sind. Schlecht ausgeführte Fugen, unzureichende strukturelle Verstärkung oder Materialfehler können die Stabilität des Gebäudes schwächen. Ungeeignete Fugen ermöglichen das Eindringen von Wasser, was zu Bauschäden und weiterer Rissbildung führt.
Es ist wichtig, Bau- und Gebäudeexperten hinzuzuziehen, um die Ursache der Risse zu beurteilen und den besten Ansatz für eine dauerhafte Reparatur zu ermitteln. In einigen Fällen können Reparaturarbeiten am Fundament, Drainagearbeiten oder Abdichtungsarbeiten erforderlich sein, um das Problem an der Wurzel zu beheben.
Rissbildung ist ein komplexes Thema — die Ursachen sind so vielfältig, dass zunächst eine sorgfältige Diagnose erfolgen muss, bevor eine wirksame Reparatur durchgeführt werden kann.
Warum sollte man Risse im Mauerwerk messen und überwachen?
Bevor Maßnahmen ergriffen werden, sollten die folgenden grundlegenden Fragen geklärt werden: Ist der Riss aktiv oder inaktiv? Entwickelt er sich weiter? Wann und wie stark?
Ein Ereignis kann nur dann richtig analysiert werden, wenn es in Zahlen ausgedrückt werden kann. Mit Messungen kann man feststellen, ob der Riss noch aktiv ist, und entsprechend handeln. Wir bieten ein komplettes Sortiment an Rissüberwachungsgeräten an. Im Informationsblatt finden Sie eine Anleitung zur Auswahl des richtigen Rissmonitors für den zu messenden Riss / die zu messende Bewegung.
Wie lange sollte man einen Riss in einer Wand beobachten?
Es gibt keine allgemeingültige Regel, da die Antwort von den Umständen und der Ursache der Risse in den Wänden abhängt. Auf jeden Fall ist es sinnvoll, die Messungen anfangs sehr regelmäßig durchzuführen und die Intervalle allmählich zu vergrößern, wenn keine Bewegung festgestellt wird.
Bei Rissen, die auf Bodenbewegungen zurückzuführen sind, wird im Allgemeinen empfohlen, die Messungen ein Jahr lang durchzuführen, um zu überprüfen, ob der Wechsel der Jahreszeiten einen Einfluss auf die Rissbewegung hat. Daher sollten mindestens 4 Messungen pro Jahr durchgeführt werden. Auch wenn 4 Messungen das Minimum darstellen, ist es natürlich immer von Vorteil, mehr Messungen durchzuführen, insbesondere wenn größere Abweichungen festgestellt werden.
In besonderen Fällen und im Zweifelsfall sollte ein Bausachverständiger hinzugezogen werden, der die Messungen verfeinern und an den jeweiligen Kontext anpassen kann.
Aktiver oder inaktiver Riss: Wie erkennt man den Unterschied?
Ein inaktiver Riss (d. h. ein Riss, der nicht mehr aktiv ist) ist ein Riss in der Wand eines Gebäudes, dessen Öffnungsbreite sich im Laufe der Zeit nicht mehr verändert — unabhängig von den Temperaturbedingungen oder der Beanspruchung des Bauwerks.
Bei Bodenbewegungen beträgt die Mindestdauer, um einen Riss als inaktiv zu betrachten, ein Jahr. Als Faustregel gilt: Bei einer Bewegung von 3/10 bis 5/10 mm gilt ein Riss noch nicht als inaktiv.
Für die Interpretation der Messergebnisse empfehlen wir dringend, einen Bausachverständigen hinzuzuziehen, der die Ursache des Schadens, seinen aktiven oder inaktiven Charakter und gegebenenfalls die geeigneten Maßnahmen benennen kann.